Heilbronn auf dem Weg zur European Green Capital

Heilbronn steht in der Endrunde in der Wahl um den Titel „European Green Capital“ – darauf ist Oberbürgermeister Harry Mergel stolz. Als Gastautor verrät er im PROMAGAZIN, warum die Stadt schon heute auf der Gewinnerseite ist.

European Green Capital
Das Stadtquartier Neckarbogen auf dem ehemaligen Bundesgartenschau-Gelände hat Modellcharakter für die Trans­formation Heilbronns in eine grüne, nachhaltige Stadt. Foto: Stadt Heilbronn/Jürgen Häffner

Heilbronn, die ehemalige Industriestadt mit zwei symbolhaften Kraftwerkstürmen, will grüne Hauptstadt Europas werden. Ernsthaft, wird sich da mancher fragen. Doch genau das ist unser Ziel: 2026 wollen wir den Titel European Green Capital tragen, wohl wissend, dass wir uns damit viel vorgenommen haben.

Mit dem Titel würdigt die Europäische Kommission seit 2010 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, die sich ihrer lokalen Verantwortung bewusst sind und sich der Trans­formation urbaner Räume stellen. Dabei geht es insbesondere um die Vernetzung der sieben Umweltbereiche Biodiversität, Klimaschutz und Klimaanpassung, Abfall- und Kreislaufwirtschaft, Lärm, Luft- und Wasserqualität. Der Titel wird jährlich an Städte in Europa vergeben, die Nachhaltigkeit und Umweltschutz mit wirtschaftlichem Wachstum verbinden und damit die Lebensqualität ihrer Einwohnerinnen und Einwohner erhöhen. Die erste Titelstadt war im Jahr 2010 Stockholm. Den ersten Titel für Deutschland holte 2011 Hamburg, 2017 folgte Essen. Aktuell ist die spanische Stadt Valencia European Green Capital.

Es geht um mehr als den Titel European Green Capital

Uns in Heilbronn geht es aber um mehr als den Titel European Green Capital 2026. Der Weg zur grünen Hauptstadt Europas gibt uns europäische Sichtbarkeit und bildet die Klammer für viele Umweltvorhaben, die wir in der Stadt vorantreiben wollen. Schließlich wollen wir aber auch an das BUGA-Feeling anknüpfen und unsere Bürgerinnen und Bürger sowie alle Einrichtungen in Heilbronn mobilisieren.

Dabei ist klar: Die Bundesgartenschau 2019 war einzigartig. Sie kann man nicht wiederholen. Aber ich bin überzeugt, dass wir mit dem Titel European Green Capital etwas von der damaligen Dynamik aufgreifen können. Damals ist unser Modellquartier Neckarbogen entstanden, mittlerweile von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) mehrfach ausgezeichnet.

Hundertvierzig Seiten stark war die Bewerbungsmappe, die wir Ende April bei der EU-Kommission eingereicht haben. Als wir im Juli erfuhren, dass Heilbronn neben Guimarães in Portugal und Klagenfurt am Wörthersee in Österreich im Finale des europäischen Wettbewerbs steht, haben wir uns riesig gefreut.

European Green Capital
Ein weiteres Beispiel für die Transformation ist die gelungene Entsiegelung und Begrünung einer zuvor asphaltierten Fläche im Klimawäldchen auf der Theresienwiese. Foto: Stadt Heilbronn/Jürgen Häffner

Schöne Bestätigung auf dem Weg zur grünen Stadt

Dass wir es gleich bei der ersten Bewerbung ins Finale geschafft haben, macht mich als Oberbürgermeister sehr stolz. Es ist eine schöne Bestätigung unserer bisherigen Anstrengungen auf dem Weg zu einer grünen, lebenswerten und umweltfreundlichen Stadt. Unsere Konkurrenten sind stark, aber auch wir haben einiges zu bieten.

Die Stärken Heilbronns hat die Jury in ihrer Bewertung der schriftlichen Bewerbung folgendermaßen hervorgehoben: „Heilbronn verfügt über ein umfassendes System zur Überwachung der Lärmbelastung. Die Integration des Lärmschutzes in den ‚Landschaftsplan 2030‘ und das ‚Mobilitätskonzept‘ sowie die breite Bürgerbeteiligung zeigen einen ganzheitlichen Ansatz der Stadtplanung.“ Das zeigt, wie sehr unsere Ambitionen gewürdigt werden.

Veranstaltungen und Projekte im Namen der Umwelt

Als Titelträgerin European Green Capital sollen im gesamten Jahr 2026 alle Veranstaltungen, Feste und Projekte im Namen der Umwelt stehen, dafür soll das Preisgeld von 600.000 Euro eine Basis bilden. Wir wollen viele Orte beleben, und nicht nur die Stadtverwaltung selbst soll Ideengeberin, Veranstalterin und Projektorganisatorin sein, sondern auch andere Verwaltungen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, unsere Unternehmen sowie die Bürgerinnen und Bürger wären mit im Boot.

Der Titel wird, davon bin ich mir sicher, einen Impuls generieren und zu einer starken Mobilisierung aller in der Stadt führen. Gleichzeitig bietet er eine große Chance, sich mit neuen Ideen, Forschungsprojekten und Investitionen auf Umweltthemen zu fokussieren und damit zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen und zur Verbesserung der Lebensqualität beizutragen, und das quasi sichtbar auf europäischer Bühne.

Entscheidung zur European Green Capital fällt im November

Im November wird die endgültige Entscheidung fallen, wer Grüne Hauptstadt Europas 2026 sein darf. In Heilbronn fühlen wir uns mit dem ­Erreichen der Finalrunde schon jetzt als Gewinner. Doch auch wenn wir den Titel diesmal noch nicht erlangen ­sollten, werden wir an unseren Themen beständig weiterarbeiten.

European Green Capital

Der Autor

Harry Mergel ist seit dem 1. Mai 2014 Oberbürgermeister der Stadt Heilbronn. 2022 war Mergel im ersten Wahlgang mit 81,5 % der abgegebenen Stimmen für eine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister wiedergewählt worden. Er ist zudem ­–Aufsichtsratsvorsitzender unter anderem der Stadtsiedlung Heilbronn GmbH, der SLK-Kliniken Heilbronn GmbH, ­sowie der Südwestdeutschen Salzwerke AG.


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